Ivo Kiefer

März

Zu Beginn eines Bildes, bediene ich mich alleatorischer Mittel um die Leinwand mit Strukturen zu füllen. Sie spiegeln natürlich in direkter Weise und völlig unverblümt die vorläufige Angst vor der weißen Leinwand, vor der Leere wider – eine Schwäche wenn man so will – aber auch eine ehrliche Emotion. 
Diese wieder zu löschen – wie man beim Schreiben die belanglosen Einstiegsfloskeln löscht sobald vernünftige Worte den Text zu bilden beginnen – in diesem Falle zu übermalen, wäre für meine Zwecke äußerst kontraproduktiv. Ich strebe keine völlige Perfektion an, ich akzeptiere die Entwicklung eines Bildes in seinem gesamten Umfang. Die Schwäche gehört dazu. Tatsächlich macht sie das Ergebnis sogar interessanter. Denn gerade die Ambivalenz zwischen dieser Unzulänglichkeit und der darauf folgenden, wohlüberlegten Malerei macht den Reiz eines guten Bildes aus. 

Ein natürlicher Prozess, das Prinzip des Wachsens.

So wachsen also meine Bilder gewissermaßen aus sich selbst heraus. Nach dem Verdrecken folgt ein langer Moment des Sitzens, Starrens und Wartens auf die Struktur, die mir die Farbflecken vorgeben. Eine Komposition, die sich erst in Gedanken weiter manifestieren muss, bevor ich zum Pinsel greifen kann um weitere materielle Schritte zu vollführen. An dieser Stelle kommt die rationale Seite ins Spiel, die natürlich weiterhin von Wichtigkeit bleiben wird, ohne jedoch die Emotionale Seite zu überlagern. 

Die Bilder basieren auf einem Vielschichtenprinzip, welches den Malprozess nachvollziehen oder zumindest erahnen lässt. Die Betrachter:in kann somit die Erfahrung des Malens nacherleben. Wichtig sind hierbei farbliche und technische Diversität und Komplexität, die es ermöglicht, sich lange in den Bildern aufzuhalten um so eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.
Die Malerei ist abstrakt, bietet Assoziationen an – wie zum Beispiel Landschaften, figürliche Komponenten oder mathematische Prinzipien – suggeriert Räumlichkeit und zerstört sie, ist flächenhaft, skizzenhaft, überlagert, überladen, übergreifend – auf die Wand, die Konstruktion.

Das Moment, das aus Malerei Skulptur werden lässt, wenn Leinwände in den Raum ragen, ihre Keilrahmen verlassen; dieses Moment birgt die Spannung die ich in meinen Arbeiten untersuche.
Ich baue Raum. Raum, der von einem Raum beherbergt wird. Raum, der zur Landschaft wird, aus Malerei besteht. Und aus Holz. Raum, der zum umschreiten einlädt, neue Perspektiven aufweist, weitere Schichtungen, Transparenzen und Zusammenhänge ermöglicht. Durchblicke anbietet ohne tatsächlichen Durchblick zu verschaffen. 

Malerei im Raum – Malerei als Raum. 

 

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